Gastland Neuseeland: Interview Buchmesse Frankfurt


ARD-Bühne
Buch: "Maori - Neuseelands verborgener Schatz" von der Journalistin Claudia Edelmann
Ulrich Timm im Gespräch mit der Autorin Claudia Edelmann

Die Journalistin Claudia Edelmann hat sieben Monate bei den Maori in Neuseeland gelebt.
Ihre Vorurteile, dass diese Menschen faul, kriminell und unordentlich sind, musste sie revidieren.

Die Geschichte der Maori ist noch relativ jung. Sie wanderten erst um 850-1150 aus Polynesien ein. Im Gegensatz zu den Aborigines, die schon 60.000 Jahre zuvor Australien besiedelten.
Die Erzählungen der Maori besagen, dass sie mit sieben Kanus nach Neuseeland kamen. In verschiedenen Stämmen, organisiert in sozialen Gruppen waren sie recht kriegerisch untereinander. Auf Neuseeland gab es wenig Fleisch, so scheuten sie auch vor Kanibalismus nicht zurück.

Europäer und insbesondere Engländer bevölkerten nach und nach Neuseeland. In der Folge kam es dadurch zu immer mehr Kriegen um Land. Am 6. Februar 1840 unterzeichneten die Maori den Waitangi-Vertrag. Dabei gaben sie unwissentlich ihre Autonomie an die Engländer ab.

In dem Vertrag wurde vereinbart, dass die Maori ihr Land bewirtschaften oder Steuern zahlen müssten. Wenn sie beides nicht taten, wurde das Land konfisziert.
1975 hatten die Maori nur noch 5% des Landes in ihrem Besitz. Rund anderthalb Jahrhunderte nachdem sie in Neuseeland eingewandert waren, bekommen die Maori riesige Waldgebiete von der Regierung zurück. Die 176.000 Hektar Wald sowie die Einnahmen aus der Bewirtschaftung haben nach Angaben der Regierung einen Gesamtwert von 500 Millionen neuseeländischen Dollar (243 Millionen Euro). Der Wald war bislang in Staatsbesitz.
In der Zwischenzeit haben die Maori sehr viel von ihrer Kultur verloren. Aufgrund ihrer mangelnden Bildung und Ausbildung sind ein Großteil von ihnen allenfalls Hilfsarbeiter und haben keine Aussicht auf ein ausreichendes Einkommen. Viele sind auf Sozialhilfe angewiesen dem Alkoholismus oder Drogen verfallen. Viele Jugendliche sind in Gangs organisiert, da auch das familiäre Gefüge nicht mehr gegeben ist.
Lost-Generation, wie sich die heutigen Maori nennen, besagt, dass sie nicht mehr wissen zu welchem Kulturkreis sie gehören, Europäer oder Maori. Die Regierung bemüht sich intensiv, um die Jugendlichen und investiert in das Bildungswesen und in den Erhalt der Maori-Kultur.

Dazu gehören zum Beispiel die typische Begrüßungszeremonie Hongi und der Ritualtanz Haka, der alle Gefühle ausdrücken kann.
Die traditionellen Tätowierungen – Ta Moko erzählen die Geschichte der Ahnen und damit die Familienzugehörigkeit. Die Faces-Tatoos dürfen nur mit Erlaubnis des Stammesältesten oder des Gang-Chefs tätowiert werden. Die Gesichts-Tatoos sind eine große Ehre.

Prinzipiell zeichnet die Maori aus, dass sie kein Karrieredenken haben, demütige Menschen und eher bescheiden unterwegs sind. Materielle Dinge bedeuten ihnen nichts.
Maori bedeutet einfach, und die Maori definieren nicht, wer ein Maori ist, jeder kann ein Maori sein.

Zusammenfassung des 30minütigen Interviews mit Claudia Edelmann.

Das Interview wurde erstmals am am 14.Oktober 2012 im Programm tagesschau24 ausgestrahlt