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PureSoul Ausgabe Mai 2014 "Geh wohin dein Herz dich trägt"

Claudia Edelmann lebt sieben Monate bei den Maori in Neuseeland. Es ist eine Zeit, die ihr Leben verändert und sie mit grenzenloser Freude und tiefer Dankbarkeit erfüllt.

Der Regenwald ist ein magischer Ort, ich liebe es, ihn zu durchstreifen. Der Himmel ist durch das dichte Blättergeflecht kaum sichtbar, die Zikaden stimmen ihr Lied an und die Vögel, die in den Baumkronen im Wind schaukeln, zwitschern vergnügt. Es scheint fast so, als wollen sie mich antreiben, nun endlich meine Reise in die mir noch unbekannte Welt der Maori zu beginnen.

Zwei Jahre habe ich darauf hin gefiebert, die Maori und ihre Kultur kennenzulernen und jetzt, jetzt habe ich beinahe Angst vor meiner eigenen Courage. Ich fühle mich mit diesem Land verbunden, als wäre ich hier geboren, aber was weiß ich über seine Menschen? Nichts! Doch ich weiß auch, dass sich das ändern muss.

Aber neben Neugier ist da auch Furcht. Wie werde ich mit meinem Gastgeber Tokowha, den ich kaum kenne, zurechtkommen? Wie werden mich die Maori aufnehmen?

Ich lasse den Regenwald hinter mir und komme nach endloser Fahrt in dem Ort an, ich dem ich die nächsten Monate verbringen soll. Doch ich fühle nur eines: Ich will weg. Sofort! Dieser Ort hat nichts mit dem Neuseeland gemein, das ich liebe. Doch ich bin mir dessen bewusst, dass, wenn ich jetzt gehe, ich es mein Leben lang bereuen werde.

Als Tokowha schwungvoll meinen Koffer ergreift, sind meine Zweifel plötzlich verschwunden. Ich bleibe und bin entschlossen, etwas Neues zuzulassen.

Tokowha wird in den kommenden Monaten zu meinem „Türöffner“, wischt Vorurteile und Zweifel bei mir und meinem Gegenüber einfach weg. Ich werde angenommen, aufgenommen und meine Hoffnungen, einen Blick auf eine Kultur zu erhaschen, werden bei weitem übertroffen. Ausnahmslos öffnen die Maori großzügig ihre Türen und ihre Herzen und lassen mich im Überfluss an ihrem kulturellen Reichtum und ihrer tiefen Spiritualität teilhaben. Und sie tun mehr als das: Sie erlauben mir, ein Teil von ihnen zu werden.

Ich erfahre von den Ta Moko, den Maori-Tätowierungen, die eine tiefe Bedeutung haben und den Stolz eines Volkes auf ihre Herkunft zeigen. Ich erlebe Beerdigungen, die darauf ausgerichtet sind, das Leben des Verstorbenen zu feiern und den Hinterbliebenen Trost zu spenden. Ich lausche den Erzählungen von Hawaiki, der spirituellen Heimat der Maori, in die sie, gemäß ihren Überlieferungen, nach ihrem Tod zurückkehren. Ich verliebe mich noch einmal, dehne meine Empfindungen aus. Meine Liebe zu dem Land schwappt in großen Wellen auf seine Menschen über.

Ich bin bis ins Innerste berührt, empfinde Dankbarkeit für die täglich neuen Begegnungen. In Gemeinschaft mit den Maori konzentriere ich mich auf das Wesentliche und komme mir dabei ganz nah.
Ich genieße mein neugewonnenes reduziertes Leben, in dem es nur mehr auf eines ankommt: Der Stimme meines Herzens zu folgen.